Henriette Kretz

Frau Kretz wurde im Rathaus von dem stellvertretenden Bürgermeister, Herrn Werner Porzybot, empfangen. Die Superintendentin der ev. Kirche für den Kreis Unna Frau Annette Muhr-Nelson, einige Mitglieder der Gemeinde und des Freundeskreises sowie Mitarbeiter der Presse waren ebenfalls anwesend. Schon hier wurden viele Fragen gestellt, die von Frau Kretz in ihrer sehr persönlichen und kompetenten Art beantwortet wurden. Nach Pressefotos und dem Überreichen eines Begrüßungsstraußes fuhr eine kleine Delegation mit Frau Kretz in die Stadthalle Unna (Forum des Geschwister- Scholl-Gymnasiums) zu der geplanten Begegnung mit Schülerinnen und Schülern. Diese kamen aus verschiedenen Schulen Unnas, so z.B. Geschwister – Scholl – Gymnasium, Gesamtschule Königsborn, Anne – Frank – Realschule, Peter- Weiss - Gesamtschule und Hellweg – Realschule. Die Aufzählung macht deutlich, wie groß das Interesse an Frau Kretz als einer Überlebenden des Holocaust war. Diese Schüler sind ebenfalls jährlich eingebunden in die Gestaltung der Holocaust - Gedenkfeiern sowie der Verlegung der zahlreichen Stolpersteine in unserer Stadt. Es war ein reges Fragen und beeindruckendes Antworten seitens Frau Kretz – eine intensive Begegnung, die durch die Authentizität des Gastes tief beeindruckte. Nach dem Mittagessen hatte die jüdische Gemeinde am Nachmittag in ihrem Zentrum, Buderuststr.11, Unna, Gelegenheit, Frau Kretz beim gemeinsamen Kaffeetrinken persönlich zu erleben. Hier wurde auch gemeinsam gesungen, lebhaft diskutiert sowie Erfahrungen ausgetauscht. Danach gab es ein Abendessen im Hotel. Am 05.10. um 10:00 Uhr traf sich eine Gruppe mit Frau Kretz am Friedens – und Gedenkstein, direkt vor dem jüdischen Friedhof Unna. Von hier aus war ein Stadtrundgang unter der Regie von Herrn Pfr. Jürgen Düsberg geplant. Pfarrer Düsberg ist Leiter der Arbeitsgemeinschaft „Spuren jüdischen Lebens in Unna“. Diese Gruppe ist sehr aktiv und initiiert und begleitet auch die Stolperstein – Verlegungen. Der Stadtrundgang führte zu Häusern und Orten, wo vor dem Pogromgeschehen jüdische Bürger Unnas gewohnt hatten. Die von der Arbeitsgemeinschaft gut aufgearbeitete Geschichte der Juden in Unna wurde hier plastisch erkennbar, so wurden alle Teilnehmenden – nicht zuletzt durch die Anwesenheit von Henriette Kretz – sehr berührt. Nach einem kleinen Imbiss stand von 13:00 – 14:00 Uhr ein Besuch des Lichtkunstmuseums auf dem Plan - eine sehenswerte Besonderheit der innovativen Stadt Unna. Nach einem gemeinsamen Mittagessen wurde Frau Kretz in ihr Hotel begleitet und um 16:00 auf dem Bahnhof verabschiedet. Die jüdische Gemeinde „haKochaw“ – und mit ihr viele teilnehmende Menschen aus Unna – sind sehr dankbar, dass das Maximilian – Kolbe – Werk diesen eindrücklichen Besuch von Henriette Kretz ermöglichte. Die Erfahrung zeigt immer wieder, dass Erinnern und die Begegnung „von Mensch zu Mensch“ am intensivsten ist und nachhaltig wirkt auf dem Weg zu unser aller Ziel: Zusammenleben in Achtung und Toleranz füreinander.

(Zeitungsbericht)

Familie Lindenbaum

Sonntag, der 29. Juli war sehr ereignisreich. Nach dem Kinderfest gingen wir nicht nach Hause, sondern bereiteten uns vor auf ein großartiges Treffen: Zum Abend erwarteten wir eine „Delegation“ amerikanischer Juden – der Familie Lindenbaum. Deshalb waren unsre Frauen in der Küche in voller Aktion.
Zu Gast mit seiner großen Familie war ein beeindruckender Mann. Er hat die Liebe zu den Menschen in Deutschland und Polen sowie seinen Glauben an Gott trotz aller schrecklichen Geschehen der Shoa nicht verloren!
Manfred Lindenbaum wurde in Unna geboren und später mit seiner Familie nach Polen deportiert. Polen aber hat den Juden Asyl verwehrt, also mussten Manfred und seine Familie ohne jegliche Existenzmitteln in einer verlassenen Mühle, die in der Neutralzone stand, hausen. Nach einem Jahr ergab sich eine Gelegenheit, wenigstens die Kinder aus dieser Notsituation zu retten. Das Rote Kreuz organisierte sogenannte „Kindertransporte“, um jüdische Kinder zu retten. Die Eltern haben entschieden sich dazu, die zwei älteren Kinder mit dem Transport zu schicken. Für den sechsjährigen Manfred gab es keinen Platz mehr, aber seine Schwester hat dann ihren Platz an Manfred abgegeben, um bei den Eltern zu bleiben.
Die zwei Brüder Lindenbaum sind nach einer langen Reise in Amerika angekommen, die anderen Familienmitglieder sind im Holocaust umgekommen. Und nun war Manfred zum wiederholten Mal in Unna! Er kam mit seiner Familie und Freunden (25 Personen) und besuchte seine Geburtsstadt. Allerdings war er in unserer Gemeinde zum ersten Mal.
Es ist nicht in Worte zu fassen, wie anrührend dieses Treffen war! Als wir mit der Familie Lindenbaum das Gebet Adon Olam anstimmten, hatten viele von ihnen Tränen in den Augen.
Alexandra Khariakova, die zusammen mit Jurgen Düsberg dieses Treffen organisiert hatte, hatte vom jüdischen Leben in Unna erzählt, von unseren Problemen und Erfolgen der vergangenen Jahre.
Die Krönung des gemeinsamen Abendessens war natürlich unser beliebter Borschtsch, von Irina Orlovska und Sophia Shekhtman gekocht. Das Gericht war so wohlschmeckend für unsere amerikanischen Freunde, dass kein Tropfen übrig blieb - obwohl unsere Köchinnen immer „auf Vorrat“ kochen.
Viele von uns begannen plötzlich, Englisch zu sprechen - besonders unerwartet für sich selbst! Als wir uns diese große Familie ansahen, wurde uns bewusst, dass viele von diesen freundlichen Menschen nur wegen der Rettung Manfreds existieren. Wir haben uns in der Hoffnung auf ein baldiges, gesundes Wiedersehen verabschiedet.